ID.4 GEGEN TIGUAN: LOHNT SICH DER UMSTIEG AUF STROM WIRKLICH?

Wer bei Volkswagen ein Kompakt-SUV sucht, landet fast zwangsläufig bei zwei Modellen: dem elektrischen ID.4 und dem Tiguan mit Verbrennungsmotor.

Beide sind rund 4,55 Meter lang, beide zielen auf Familien, beide kosten in mit besonderer Ausstattung deutlich über 40.000 Euro.

Dieser Vergleich zeigt, wo jedes Modell punktet und für wen sich welche Variante rechnet.

  • Der ID.4 stand 2024 mit 21.611 Neuzulassungen in Deutschland dem Tiguan mit 67.057 verkauften Exemplaren gegenüber.
  • Vom Tiguan hat Volkswagen seit dem Marktstart 2007 weltweit rund 7,5 Millionen Exemplare verkauft.
  • Die meisten Hersteller garantieren für ihre Antriebsbatterien mindestens 70 Prozent Restkapazität über acht Jahre oder 160.000 Kilometer.
  • Im ersten Halbjahr 2026 entfielen 65,1 Prozent aller Pkw-Neuzulassungen in Deutschland auf alternative Antriebe, reine E-Autos kamen auf 24,8 Prozent.

VW: Wie viel Platz bieten ID.4 und Tiguan?

Preislich unterscheiden sich die beiden nicht viel. Der Tiguan startet aktuell bei rund 39.400 Euro mit dem 1.5 eTSI und 131 PS, der Diesel beginnt bei etwa 44.300 Euro.

Beim ID.4 geht es bei rund 40.600 Euro für die Basis „Pure“ los, der Pro mit 286 PS und 77-kWh-Akku kostet knapp 46.800 Euro. Auf dem Papier liegen beide also dichter beieinander, als viele Käufer vermuten.

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Beim Raumangebot gewinnt keiner der beiden klar. Der ID.4 hat fast zehn Zentimeter mehr Radstand und bietet dadurch spürbar mehr Kniefreiheit im Fond.

Sein flacher auslaufendes Dach kostet hinten allerdings Kopffreiheit, große Passagiere sitzen leicht gebeugt.

Der Tiguan kontert mit Variabilität. Seine Rückbank lässt sich längs verschieben, die Lehnen sind in der Neigung verstellbar, beides fehlt dem Stromer.

Auch der Kofferraum ist größer: 652 bis 1650 Liter stehen 543 bis 1575 Litern gegenüber. Beim Plug-in-Hybrid schrumpft das Volumen allerdings auf 490 Liter, weil die 19,7-kWh-Batterie Platz braucht.

Reichweite und Laden: Wo liegt der Knackpunkt?

Hier zeigt sich die größte Schwäche des Elektro-SUV. In einer Kaufberatung von AUTO BILD kam der ID.4 Pro auf der Testrunde auf 351 Kilometer, bei einem Verbrauch von 24,8 kWh je 100 Kilometer.

Der Tiguan 1.5 eTSI schaffte im selben Test 797 Kilometer mit einer Tankfüllung.

Beim Nachladen hat VW nachgebessert. Der ID.4 Pro lädt inzwischen mit bis zu 175 kW, der Ladehub von 10 auf 80 Prozent dauert rund eine halbe Stunde.

Ein Tankstopp beim Tiguan ist hingegen in fünf Minuten erledigt. Wer regelmäßig lange Strecken fährt und keine Ladepause einplanen will, hat mit dem Verbrenner den entspannteren Alltag.

Was kostet der Kilometer wirklich?

Beim Geld wird es interessant, denn der Kaufpreis sagt wenig aus. In der genannten Kostenrechnung über vier Jahre und 60.000 Kilometer landete der Tiguan bei 54 Cent pro Kilometer, der ID.4 bei 64 Cent.

Strom und Wartung waren beim Elektroauto günstiger, die Kfz-Steuer entfiel komplett. Den Ausschlag gab der Wertverlust, der beim Stromer rund 6800 Euro höher ausfiel.

Genau dieser Punkt bleibt der wunde Nerv der Elektromobilität. Nach Zahlen der Deutschen Automobil Treuhand, die die HUK-Coburg aufbereitet hat, behält ein drei Jahre altes E-Auto im Schnitt noch etwa 50 bis 51 Prozent seines Listenpreises.

Ein vergleichbarer Verbrenner kommt auf 63 bis 64 Prozent. Hauptgrund ist die Unsicherheit über den Batteriezustand, nicht die Technik an sich.

Rechnet sich das E-Auto mit Förderung?

Die staatliche Kaufprämie verschiebt die Rechnung deutlich. Seit dem 19. Mai 2026 können Privatpersonen beim BAFA Anträge stellen, wie watson berichtet.

Anspruch haben Haushalte bis 80.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen, bei Familien mit Kindern liegt die Grenze höher. Je nach Einkommen und Kinderzahl summiert sich der Zuschuss auf bis zu 6000 Euro.

Die Nachfrage ist hoch. Bis Anfang August 2026 gingen laut der Hasepost gut 102.000 Anträge ein, rund 28.000 waren bewilligt.

Für reine Elektroautos liegt die Prämie zwischen 3000 und 5000 Euro, Familien bekommen bis zu 1000 Euro obendrauf. Für den ID.4 kann das den Preisnachteil gegenüber dem Tiguan mehr als ausgleichen, sofern die Einkommensgrenze passt.

Welche Rolle spielt die Ladesituation zu Hause?

Der ADAC hat im April 2026 nachgerechnet und kommt zu einem differenzierten Bild. Entscheidend ist der Strompreis: Bei 18 Cent je Kilowattstunde aus der eigenen Photovoltaikanlage fährt das E-Auto in vielen Klassen günstiger.

Bei 60 Cent an öffentlichen Schnellladern kippt das Ergebnis oft zugunsten des Verbrenners.

Daraus lässt sich eine einfache Faustregel ableiten. Wer eine eigene Wallbox besitzt und mindestens 12.000 bis 15.000 Kilometer im Jahr fährt, holt den Mehrpreis des Stromers heraus.

Ohne Heimlademöglichkeit und mit geringer Fahrleistung bleibt der Tiguan die rechnerisch sicherere Wahl. Der Plug-in-Hybrid mit über 100 Kilometern elektrischer Reichweite ist der Kompromiss für alle, die beides wollen.

Warum der ID.4 bald Tiguan heißen soll

Ein Detail macht die Entscheidung noch spannender: Der ID.4 bekommt einen neuen Namen. Wie heise unter Berufung auf die IG Metall Emden berichtet, wird das Elektro-SUV im Zuge einer umfassenden Überarbeitung zum ID.

Tiguan. Produziert werden soll das Modell in Emden, laut Gewerkschaft bis Ende 2031.

Technisch steht mehr als Kosmetik an. Das Modell wechselt auf die weiterentwickelte Plattform MEB+, die Basisversion dürfte günstigere LFP-Batteriezellen erhalten.

Im Innenraum kehren physische Tasten zurück, ein echter Lautstärkeregler inklusive. Damit reagiert VW auf jahrelange Kritik an der Touch-Bedienung.

Fazit: Wer sollte welches Modell wählen?

Unterm Strich gibt es keinen Gesamtsieger, sondern zwei klare Nutzerprofile. Der Tiguan bleibt das alltagstauglichere Auto mit besserer Variabilität, größerem Kofferraum und der entspannteren Langstrecke.

Für Vielfahrer ohne Lademöglichkeit und für Anhängerzieher mit bis zu 2,3 Tonnen Last ist er die pragmatische Wahl.

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Der ID.4 punktet mit ruhigerem Antrieb, souveränem Fahrwerk und niedrigeren laufenden Kosten. Mit Förderung, eigener Wallbox und ordentlicher Jahresfahrleistung kann er den Tiguan finanziell überholen.

Wer sich unsicher ist, sollte ehrlich kalkulieren: Ladesituation, Jahreskilometer und geplante Haltedauer sind hier die entscheidenen Faktoren.

2026-08-26T11:28:05Z