Verkehr
Passanten nehmen Elektroautos schlechter wahr – aber insgesamt sind die Fahrzeuge nicht unfallanfälliger als Verbrenner
Berlin – Die Klänge sind immer noch sehr gewöhnungsbedürftig: Wenn E-Autos anfahren, klingt es manchmal so, als läge ein mechanischer Schaden vor. Oder das Geräusch mutet an, als würde ein „Star Wars“-Raumschiff in den Hyper-Antrieb schalten. „Das verbinden die Menschen nicht notwendigerweise mit einem Auto“, sagt die Unfallforscherin Kirstin Zeidler – und weist auf ein auffälliges Unfallmuster bei E-Autos im Vergleich zu Verbrenner-Modellen hin. Denn diese Fahrzeuge sind relativ häufig in Kollisionen mit Fußgängern verwickelt.
Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse einer Studie, die die Unfallforschung der Versicherer (UdV) ergeben hat. Fußgängerunfälle mit E-Pkw ereignen sich demnach häufiger beim Anfahren aus dem Stand, Rückwärtsfahren oder Abbiegen bei Dämmerung und Dunkelheit. „Unsere Untersuchung bestätigt Hinweise darauf, dass Fußgängerinnen und Fußgänger E-Autos in solchen Situationen schlechter wahrnehmen“, sagt Zeidler.
Seit dem Jahr 2021 müssen E-Autos bei Geschwindigkeiten unter 20 km/h aus Sicherheitsgründen zwar Geräusche abgeben. „Doch die künstlichen Fahrgeräusche sind womöglich nicht hörbar genug oder lassen sich noch nicht eindeutig einem Pkw zuordnen“, vermutet Zeidler: „Hier besteht Verbesserungsbedarf“, mahnt die Unfallforscherin: „Die Akustik ist für Fußgänger eine wichtige Information.“ Besser hieße dabei nicht unbedingt lauter. „Vielleicht müssen hier einfach andere Frequenzen gewählt werden.“ Die verpflichtenden Klangsimulationen sollten künftig klar als Pkw-Geräusch erkennbar sein.
Prinzipiell seien E-Autos laut Zeidler eine sichere Alternative zu den Verbrenner-Modellen. „Unsere Ergebnisse sind ausdrücklich kein Argument gegen E-Mobilität“, sagt die Unfallforscherin. Im Gegenteil: E-Autos schützten ihre Insassen besser, besonders die kleineren Modelle. „E-Autos sind ein guter Schutz, da sie zumeist schwerer sind“, so Zeidler. Auch die modernere Sicherheitsausstattung spiele hier eine Rolle.
Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass es bei E-Autos häufig zu Unfällen durch Fehlbedienung komme. Dies gilt hauptsächlich bei Fahrzeugen mit „One Pedal Drive“. Hier wird zum Beschleunigen der Fuß gesenkt, zum Abbremsen angehoben. Die Bremswirkung dabei wird meist durch ein eingebautes Energierückgewinnungssystem unterstützt. „Man ist es seltener gewöhnt, auf die Bremse zu treten“, sagt Zeidler. Dies könne zu Pedalverwechslungen führen. Mit dem Alter steige hier die Unfallhäufigkeit, jeder zweite Unfallverursacher sei älter als 75 Jahre.
Derweil steigt die Zahl der E-Autos weiter an: zum 1. Januar 2026 waren es rund zwei Millionen E-Fahrzeuge, rund vier Prozent der in Deutschland zugelassenen Pkw. Der Gesamtverband der Versicherer rechnet für das Jahr 2040 mit einem E-Auto-Anteil von circa 60 Prozent. „E-Pkw werden immer beliebter, was auch angesichts der ökologischen Herausforderung des Klimawandels positiv ist“, sagt Zeidler.
2026-06-30T15:54:39Z