HEIKLER PLAN: WOLLEN DIE SAUDIS EUROPA MIT VERBRENNERMOTOREN BELIEFERN?

Das Verbrenner-Verbot in der EU wackelt langsam. Mercedes-Benz hat sich inzwischen von seinem Ziel verabschiedet, bis 2030 nur noch Elektroautos zu verkaufen, und investiert wieder mehr Geld in Hybridautos. Der Wegfall der Kaufprämie in Deutschland dämpft grundsätzlich die Kauflaune, sodass der VW-Konzern am Elektroauto-Standort in Zwickau bereits Stellen abbauen muss.

Die Tendenz bekommt auch der weltweit größte Ölkonzern Saudi Aramco mit – und wittert in Europa ein großes Geschäft, wie die britische Zeitung Financial Times (FT) berichtet. 

Der saudische Ölkonzern Saudi Aramco, laut einem Ranking des US-amerikanischen Wirtschaftsmagazins Fortune das Unternehmen mit dem zweitgrößten Umsatz weltweit, erwarb laut FT im vergangenen Monat zehn Prozent Anteile an dem erst im Mai 2024 gegründeten Motorenbauer Horse Powertrain für 740 Millionen Euro.

Horse Powertrain ist ein Joint Venture des chinesischen Autobauers Geely und des französischen Autobauers Renault und will nach FT-Angaben bis zu fünf Millionen Motoren im Jahr produzieren. Zum Vergleich: In Deutschland wurden im Jahr 2023 rund 4,1 Millionen Pkw hergestellt.

Hinter dem Einstieg von Saudi Aramco in das Unternehmen steckt eine ungewöhnliche Geschäftsidee. In den kommenden Jahren wollen einige Autohersteller aufhören, eigene neue Verbrennertechnologien zu entwickeln. Audi will beispielsweise im Jahr 2026 seine letzten Verbrenner auf den Markt bringen. Der saudische Ölkonzern setzt darauf, dass die Nachfrage nach Verbrennern trotzdem hoch bleibt – und Horse Powertrain als Lieferant von Motoren einspringen kann.

Denn Elektroautos setzen sich langsamer durch als von vielen gehofft. Beispiel Deutschland: Hier sollen bis zum Jahr 2030 15 Millionen Elektroautos auf den Straßen fahren. Doch zuletzt sah es nicht gut aus für die Branche. Im Juni wurden nach Daten des Kraftfahrt-Bundesamts 43.412 neue Elektro-Pkw zugelassen, das waren laut ADAC 18,1 Prozent weniger als im Juni des Vorjahres. Global sieht es besser aus, hier legte der E-Auto-Markt laut einer Studie des Strategieberatungsunternehmens Strategy& im ersten Quartal 2024 im Vergleich zum Vorjahresquartal um 19 Prozent zu.

Trotzdem geht Saudi Aramco davon aus, dass bis 2050 noch mehr als die Hälfte aller Autos mit Kraftstoff betrieben wird. Das Verbrenner-Aus sei noch lange nicht in Sicht. „Wenn man die Erschwinglichkeit und viele andere Faktoren betrachtet, glaube ich, dass es sie noch sehr, sehr lange geben wird“, zitiert die FT den leitenden Vizepräsidenten von Saudi Aramco, Yasser Mufti.

Bleibt die Nachfrage nach Verbrennern und Hybridantrieben stark, könnte es für Autohersteller, die auf Elektroautos setzen, günstiger sein, auf Lieferanten wie Horse Powertrain zurückzugreifen, als eine eigene Produktionskette für Verbrenner wiederaufzubauen. „Letztendlich ist jeder hier, um Geld zu verdienen“, so Mufti.

Saudi Aramco will nicht nur neue Verbrennertechnologien entwickeln, sondern auch synthetische Kraftstoffe, um Verbrenner umweltfreundlicher zu machen. Autos, die mit klimaneutralen synthetischen Kraftstoffen fahren, können in der EU auch nach 2035 zugelassen werden. Die Geschäftsidee des saudischen Ölkonzerns könnte also besonders auf den europäischen Markt abzielen.

„Heute will nur Europa den Verbrennermotoren den Garaus machen. Weder die Chinesen noch die Amerikaner arbeiten in diese Richtung“, zitiert die FT den Automobilanalysten der amerikanischen Investmentbank Jefferies, Philippe Houchois. Das mache Europa zum „logischen Spielplatz“ für Horse Powertrain.

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2024-07-09T17:51:11Z dg43tfdfdgfd