Am Tiefpunkt
Weltweit feiert Nio aktuell Rekorde – doch in Deutschland erlebte der E-Auto-Hersteller im Januar 2026 ein beispielloses Desaster: Nur ein einziges Auto wurde neu zugelassen.
Hamm – Der chinesische Elektroautohersteller Nio hat einen rabenschwarzen Start ins Jahr 2026 hingelegt. Laut aktuellen Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurde im Januar in ganz Deutschland lediglich ein einziges Fahrzeug der Marke neu zugelassen. Zum Vergleich: Selbst Lada brachte es auf zwei Neuzulassungen, Cadillac auf drei – und die britische Sportwagenmanufaktur Morgan, die ihre Autos in Handarbeit fertigt, kam auf stolze vier. Wer in Deutschland seltener verkauft als ein russischer Hersteller unter Sanktionen und eine Kleinstserienschmiede aus Worcestershire, hat ein ernstes Problem.
Dabei war der Trend hierzulande schon länger negativ. Im Januar 2025 waren es immerhin noch 18 Neuzulassungen gewesen, im Dezember 2025 sogar 89 – ein Zwischenhoch. Auf das gesamte Vorjahr gerechnet kam Nio in Deutschland allerdings gerade einmal auf 325 Neuzulassungen, ein Minus von 18,3 Prozent gegenüber 2024, als noch 398 Fahrzeuge zugelassen wurden.
Das Paradoxe: Global betrachtet läuft es für Nio so gut wie nie. Im vierten Quartal 2025 meldete das Unternehmen erstmals einen operativen Gewinn. Im Gesamtjahr steigerte der Konzern seine weltweiten Auslieferungen um 47 Prozent auf 326.028 Fahrzeuge. Allein im Januar 2026 lieferte Nio nach eigenen Angaben weltweit 27.182 Autos aus – ein Plus von 96 Prozent. Davon hatte Deutschland mit seinem einen Auto allerdings nur einen Anteil von 0,0037 Prozent.
Nio setzt hierzulande auf ein Direktvertriebsmodell mit aufwendigen Showrooms in Innenstadtlagen, den sogenannten Nio Houses – etwa in Berlin, Hamburg und München. Doch die Kundschaft bleibt aus. Das dürfte vor allem mit den ambitionierten Preisen zusammenhängen, die der chinesische Hersteller für seine Modelle aufruft. Egal wie gut die Technik ist und wie hoch der Qualitätsanspruch: In Deutschland kennen die Marke vermutlich zu wenige, um dafür Preise in Regionen von BMW, Mercedes und Audi zu bezahlen.
Allerdings ist auch von vielen anderen chinesischen Marken vom großen Durchbruch in Deutschland bisher nicht allzu viel zu spüren. Lynk & Co. kam im vergangenen Jahr hierzulande auf gerade einmal 703 Neuzulassungen, Great Wall Motors auf 2386 und XPeng auf 2991. Besser lief es für MG Roewe mit 26.479 und BYD mit 23.306 Neuzulassungen. Zum Vergleich: VW setzte mehr als 560.000 Autos in Deutschland ab (Platz 1 der Neuzulassungen) und selbst Toyota auf Platz 10 noch mehr als 87.000. (Quellen: KBA, eigene Recherche) (sop)
2026-02-12T14:24:29Z