HOBBY EXCELLENT EDITION 495UL (2024) IM TEST: HOBBY EXCELLENT MIT EINZELBETTEN IM NEUEN LOOK

Einzelbetten mit Rundsitzgruppe sind der Deutschen Lieblingsgrundriss. Heller als im Excellent Edition gibt es den nirgends. Wir schauen dem auch außen renovierten 495 UL hinter die weiße Fassade.

Am Bug lässt sich das Facelift erst auf den zweiten Blick ausmachen, da alle Hobby-Modelle nun zwei schmale vertikale Sicken zieren, die oft erst beim Blick in den Rückspiegel richtig auffallen. Markanter ist die Modernisierung des Hecks. Denn ab sofort haben alle Modellreihen prägnant ausgeformte LED-Rückleuchten.

Unter dem Hammerschlagblech bleibt sich der Aufbau mit Styropor in Holzfachwerk treu. Und auch das heute übliche, von Versicherungen honorierte, weil hagelresistentere GfK-Dach gibt es bei Hobby weiterhin weder für Geld noch für gute Worte. Dafür schmiegen sich die neuen, vorgehängten Fenster jetzt auffällig flach an den Aufbau und auch die Rahmen der Außenklappen tragen weniger dick auf als bei anderen Herstellern.

Hobby Excellent Edition 495UL

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  • Grundpreis ab: 28.620 Euro
  • Gesamtlänge/Breite/Höhe: 7,31/2,30/2,64 m
  • Zul. Gesamtgewicht: 1.800 kg
  • Schlafplätze: 2+2

Ein Auge fürs Detail

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Der Weg hinein führt über eine mit 56 Zentimetern recht hohe Schwelle. Da ist es gut, dass die Fußbank ein Teil der üppigen Serienausstattung ist, auf die wir später noch eingehen. Die Tür ist breit und top ausgestattet. Wobei sich der Handfeger im Deckel des Mülleimers als praktisches Detail entpuppt. Den Platz für die Tür erkauft sich der Grundriss durch die abgeschrägte Sitzgruppe, deren rechter Schenkel kürzer ausfällt als der linke.

Zwei Personen finden dennoch mehr als genug Platz auf den straff gepolsterten, tiefen Sitzflächen. Die ebenfalls harten steilen Rückenlehnen sind in Ordnung, dürften in der Lordose aber gern noch etwas mehr stützen, um wirklich bequem zu sein.

Eine Besonderheit der Excellent Edition sind die langen, hellen und geschwungenen Oberschrankklappen, die im gesamten Fahrzeug sowohl die Staufächer als auch die integrierten Ablagen überspannen. Ihre Einlegeböden haben zwar Rüttelkanten, eine mechanische Verriegelung, gerade in Bremsrichtung, wäre dennoch die bessere Lösung. Als typisch Hobby gehen die opulent beleuchteten Eckregale durch.

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Geschmälert wird deren Glanz aber durch die schlechte Einpassung links und die unverdeckt glänzenden Schraubenköpfe im Umfeld. Versteckt wurde dagegen die 2er-Aufputzsteckdose samt USB-Anschlüssen. Um sie vernünftig zu nutzen, muss das Eckpolster entnommen oder beiseite gebogen werden.

Viel Stauraum in Küche und Bad

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Der große Kocher, der seit der Saison 2023 in allen Hobby- und Fendt-Modellen zum Einsatz kommt, bleibt nicht frei von Kritik. Zum einen gibt es bei geöffneten Glasabdeckungen kaum Arbeits- oder Stellfläche und zum anderen war das Vorgängermodell mit integrierter Spüle einfacher zu reinigen.

Wenig praxistauglich ist auch, dass die Küchensteckdosen samt USB-Schnellladeanschluss nur bei geschlossener Glasabdeckung vernünftig nutzbar sind. Punkten kann die Küche derweil mit viel Stauraum, einer guten Beleuchtung, einem ausziehbaren Geschirrtuchhalter und einem großen und bestens platzierten Absorber-Kühlschrank.

Durch eine geschwungene Tür, die sich aber nur um 90 Grad öffnen lässt, geht es ins gegenüberliegende Bad, das einem hellen, einladenden Spiegelkabinett gleicht. Schöner Nebeneffekt: Durch Spiegel an drei Wänden wirkt das Bad deutlich geräumiger, als es eigentlich ist. Trotz der üblichen Enge reicht der Platz auf der Banktoilette, die über einen eigenen Spülwassertank verfügt. Einzig der Spiegelschrank über dem Klo verhindert eine komplett gerade Sitzposition. Eine Dusche gibt es optional. Sie ist aber aufgrund der Enge und der mäßig eingepassten und abgedichteten Duschwanne nicht unbedingt zu empfehlen.

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Kurze Einzelbetten im Heck

Die beiden identisch großen Einzelbetten im Bug sind nur 1,93 Meter lang, dafür aber 83 Zentimeter breit. Ihre mit 15 Zentimetern vielversprechend dicken Federkernmatratzen entpuppen sich bei der Liegeprobe allerdings als grenzwertig weich. Sie geben derart nach, dass beim Aufstehen sogar die belederte Bettrahmenverkleidung in den Oberschenkel drückt. Zudem ist ihr Holzlattenrost im Kopfbereich zu kurz. In Folge sinken sowohl das Kopfkissen als auch der stützende Ellenbogen unter Last ein.

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Zusammenschließen lassen sich die Betten mit zwei großen Zusatzpolstern, die alleine einen der beiden Bettstauräume füllen. Wer das Doppelbett im Urlaub nutzen will, lässt daher das abnehmbare Nachttischchen am besten gleich zu Hause.

Eher wie das Werk eines Hobby-Schraubers – dieses Wortspiel ist hier einfach naheliegend – wirken die beiden nur halb eingedrehten Holzschrauben als Endanschlag für den optionalen Rollrost. Als Stromversorgung gibt es nur eine einzige 230-V-Steckdose links hinter der beleuchteten Bugblende in Granitoptik. Schade ist auch, dass am angrenzenden Bugbrett, welches sich als Ablage anbietet, ein etwa zwei Zentimeter breiter Spalt klafft, durch den Smartphones oder andere Utensilien in den Stauraum fallen können.

Apropos Stauraum: In dieser Disziplin ist der 495UL exzellent aufgestellt. Neben dem zweitürigen Kleiderschrank, der vom Heizungskamin gewärmt wird, findet Kleidung auch in den zahlreichen Dachschränken Platz. Unter den Betten, von denen nur das rechte ab Werk über eine Außenstauklappe verfügt, ist Sperriges wie Tisch und Stühle gut aufgehoben. Kleiner Malus: Wird von innen beladen, kollidieren die Matratzen bei aufgestellten Lattenrosten mit der Bugblende.

Fahrverhalten und Ausstattung

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Ohne Fehl und Tadel ist das Fahrverhalten des 495 UL. Im unbeladenen Zustand ließen sich hinter dem Nio ET 5 keinerlei Schlingertendenzen, Bremsschläge, Störgeräusche oder Nervosität ausmachen. Positiv sticht auch die Sicherheitsausstattung ab Werk heraus. In der Basisausstattung sind selbst nachstellende Bremsen ebenso enthalten wie eine Stützlastwaage im Bugrad und als Zugabe steht der passende Luftdruck gut sichtbar an den Radläufen. Etwas eingetrübt wird das Abschneiden durch die Reifentraglast. Werden die 1,8 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht ausgereizt, sind die Reifen am Limit.

Bereits die Basisausstattung kann sich sehen lassen. Dinge wie Ambientebeleuchtung, Insektenschutztür, USB-Ladedosen, Warmwassertherme oder ein Bedienpanel samt App-Steuerung lassen sich fast alle Mitbewerber extra bezahlen. Kurzum, auch ganz ohne Sonderausstattungen ist der 495UL urlaubstauglich ausgerüstet.

Kritik muss die Bordtechnik trotzdem einstecken: Der Gaskasten mit seiner parallel schwenkenden und dreifach verriegelnden Klappe verjüngt sich nach oben stark, während die Gasleitung zum Gasschlauch stark nach vorn gekröpft ist. Die Folge: erste Scheuerspuren am Gasschlauch vom Kontakt mit der Innenschale des Bugdeckels.

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Pluspunkte sammelt der 495 UL mit seiner aufwendigen Lichtinstallation, die sich am Bedienpanel oder via App in Bluetooth-Reichweite steuern lässt. Dazu gehören je indirekte Lichtquellen über und unter den Oberschränken sowie eine zweiteilige Beleuchtung für Sitzgruppe und Küche.

Bei letzterer stellt sich allerdings die Frage, weshalb beide Leuchtengruppen auf einen der beiden Drucktaster des Lichtschalters reagieren, während der andere keine Funktion hat. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber letztlich gut ist die Lösung mit dem Zentrallichtschalter zwischen den Betten. Er schaltet neben dem Hauptlicht auch die Leseleuchten. Zusätzlich ist ein Großteil der Lichtinstallation mehrstufig dimmbar.

Ungewöhnlich für einen Caravan dieser Größe ist das Volumen des Frischwassertanks mit nur 25 Litern. Bei den meisten Mitbewerbern variiert das Tankvolumen zwischen 40 und 50 Litern. Relativierend kann man aber berücksichtigen, dass die Toilette einen eigenen Spültank hat und daher nicht aus dem Tank zapft. Wer sich mehr oder quasi endlose Reserven wünscht, findet zwei Lösungen in der Aufpreisliste: Entweder man zahlt 203 Euro für einen 47-Liter-Frischwassertank oder 250 Euro für einen Citywasseranschluss, wie ihn der Testwagen hat.

Daten und Messwerte

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Karosserie

  • Aufbau: Sandwichbauweise/EPS-Schaumisolierung. Dach Glattblech(31 mm), Seitenwände Alu-Hammerschlag (31 mm), Bug/Heck Glattblech. Boden Sperrholz-Sandwich (37 mm). Deichselkasten aus ABS, Deckel mit Dreipunktverriegelung an Parallelogramm-Beschlag. Einteilige Aufbautür 168 x 53 cm mit Fenster und Mülleimer, Einstiegshöhe 56 cm. Serviceklappe 100 x 30 cm.
  • Anbauteile: einteiliger Heckleuchtenträger, Bugelemente aus ABS, integrierte Rangiergriffe. Bug- und Heckfenster.
  • Fenster/Hauben: 7 Ausstellfenster mit Rastaufstellern und Rastrollo-Verdunkelung, 2 Dachfenster (60 x 40 cm Küche, 38 x 38 cm Schlafbereich).

Möbel

  • Material/Beschläge: Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren, integrierten Federaufstellern, Softclose-Funktion. Pushlock-Verriegelung an Küchenunter-, Schnapphakenschließe an den Küchenoberschränken, Schubladen mit Selbsteinzug. Drehstangenschloss Schrank, Fallenschloss Badtür.

Bordtechnik

  • Gas/Heizung: Gasheizung Truma S 3004, 12-Volt-Gebläse, 5 Ausströmer (2 x Sitzgruppe, Eingang, Betten, Bad), elektrische Fußbodenerwärmung.
  • Wasseranlage: 25-Liter-Frischwassertank, Tauchpumpe, Therme, City-Wasseranschluss.
  • Elektrik: Umformer Dometic SMP301-02, 350 W. 9 Steckdosen (2x TV-Platz, 2x Sitzgruppe, 2x Küche, Bad, Betten, außen). 4 USB-Anschlüsse (2x Sitzgruppe, 2x Küche).
  • Beleuchtung: Deckenleuchte mit Ambientelicht, 4 Lesespots, 2 Spots und Leuchtstab als Küchenarbeitslicht, LED-Band im Bad. Mehrteiliges dimmbares Ambientelicht rundum. Vorzeltleuchte.
  • Küchenausstattung: 3-Fammkocher mit Zündhilfe, Spüle mit abgesetztem Hebelmischer, Glasabdeckung. Kühlschrank Dometic RML mit 134 Liter Nutzinhalt und 12 Liter Gefrierfach.
  • Sanitär: Thetford-C502-Banktoilette mit integriertem Spülwassertank. Kunststoffeckwaschbecken mit Hebelmischer.

Das fiel uns auf

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(+) Die vielschichtige, teils dimmbare Lichtinstallation samt zentraler Steuerung gibt es serienmäßig.

(+) Die Gaskastenklappe schwenkt dämpfergestützt und platzsparend parallel und verriegelt an drei Punkten.

(+) (-) Schön, dass es USB-Ladeports ab Werk gibt. Aber: Die Position hinter der Glasabdeckung ist unpraktisch.

(+) (-) Die Bodenwanne samt Ablage im Bad hat viel Spiel zu zwei Seitenwänden. Die Abdichtung ist daher mangelhaft.

(-) Halb eingedrehte Schrauben als Rollrost-Endanschlag wirken eher wie ein Provisorium.

(-) Im Detail lässt die Passgenauigkeit zu wünschen übrig. Nicht alle Schraubenköpfe sind eingefärbt.

(-) Das 1,93 m kurze Bett unter der Bugschräge fordert Kompromisse. So ist beispielsweise der Lattenrost zu ...

(-) ... kurz, damit er bei geöffneten Stauräumen nicht, wie die weiche Matratze, mit der Bugblende kollidiert.

Preise und Ausstattung

Grundpreis: 28.620 Euro

TÜV/Zulassungsbescheinigung II 183 Euro

Testwagenpreis: 30.509 Euro

  • ✘ Auflastung auf 1800 kg zul. Gesamtmasse (25 kg): ✔ 525 Euro
  • ✘ Rollrost für Einzelbetten (5 kg): 457 Euro
  • ✘ City-Wasseranschluss (0,5 kg): 250 Euro
  • ✘ USB-Doppelsteckdose (0,1 kg): ✔ 70 Euro
  • ✘ Vorbereitung Dachklimaanlage (1,5 kg): 89 Euro
  • ✘ Fernsehgelenkhalter inkl. Verkabelung (2 kg): 315 Euro
  • Frischwassertank 47 statt 25L (25 kg): ✔ 203 Euro
  • Alufelgen: 636 Euro
  • Kaltschaummatratzen (2,9 kg): ✔ 810 Euro

✘im Testwagen enthalten; ✔empfehlenswert; notwendige Ausstattung

Wertung

maximal 5 Punkte möglich

  • Wohnen: 3,4 Punkte
  • Beladen: 4,2 Punkte
  • Technik: 2,9 Punkte
  • Fahren: 3,8 Punkte
  • Preise und Service: 4,1 Punkte

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